Buchempfehlung: Lust an Leistung – Die Naturgesetze der Führung

Beitrag-Klettern
pku
0

Präambel
1998 erschien im Piper Verlag das Buch «Lust an Leistung – Die Naturgesetze der Führung», ISBN 3-492-22524-1, von Prof. Dr. Felix von Cube. Ich hatte das Glück, dass ich mehrere Seminare mit Felix von Cube im Elsass verbringen durfte. Er war als Naturwissenschaftler Professor für Pädagogik an der Universität Heidelberg. 1997 gründete er mit Kollegen die Prof. von Cube & Kollegen GmbH – BioLogik der Führung und Fortbildung in Heidelberg. Er selber bezeichnete sich 1998 gegenüber mir als «ältester Jungunternehmer Deutschlands» (man sucht eben die Lust der Anerkennung). Er ist ein wegweisender Experte für Motivation und Mitarbeiterführung. Als Spezialist für die exakte naturwissenschaftliche Verhaltensbiologie (nicht Psychologie) gelang es ihm ausserordentlich gut und verständnisvoll auf der Basis wissenschaftlich erwiesener Naturgesetze seine Naturgesetze der Führung abzuleiten und zu kommunizieren. Die menschliche Grundprogrammierung benötigt im Rahmen der Evolution Millionen von Jahre um sich zu verändern. Somit sind die Naturgesetze der Führung zeitlos gültig. Aussagen wie «Die moderne Erasmusgeneration tickt anders als die heute über 40-Jährigen» sind naturwissenschaftlich nicht haltbar. In diesem Beitrag werden die Kernaussagen aus der Einleitung des Buches zusammengefasst. Glauben Sie mir, das ist richtig spannend.

Lehren aus der Verhaltensbiologie
Die Verhaltensbiologie zeigt in aller Klarheit: Der Mensch ist nicht auf das Schlaraffenland program-miert., sondern auf Anstrengung. Warum gibt es ausgerechnet im Wohlstand Krankheiten, Gewalt, Drogenkonsum, Arbeitsverdrossenheit? Also müssen wir uns doch mehr anstrengen? Ja, aber die Arbeit darf nicht zur Maloche werden, zum Übel, zum Muss. Anstrengung ohne Lust macht ebenfalls krank, aggressiv, drogensüchtig. Nein, die richtige Lösung heisst weder Lust ohne Anstrengung, noch Anstrengung ohne Lust, sie heisst einzig und allein: Lust in der Anstrengung selbst, Lust an Leistung. Beispiele: Bergsteiger, Manager, Forscher, Künstler, Sportler, Handwerker, Extreme Adventures wie Basejumping oder mit dem Seil, dem Bungee an den Füssen von der Verzasca-Staumauer springen.

Die zwei Fehler die heute gemacht werden
Der erste Fehler – Lust ohne Anstrengung:
Die Evolution hat einen Menschen gebildet der noch heute für die Anforderungen vor Millionen von Jahren entwickelt ist. Unser Körper und unser Geist sind geschaffen um täglich zwanzig bis dreissig Kilometer für die Nahrungsbeschaffung zurückzulegen und um mit der Beute und mit seinesgleichen zu kämpfen, was kurzfristig enorme Überlebenskräfte erfordert (Adrenalin-Schub). Unsere Triebe und Instinkte haben sich in Abermillionen von Jahren entwickelt. Dieses evolutionäre Programm ändert nicht in wenigen Jahrzehnten. Mit dem Grosshirn können wir unsere Triebe ein wenig steuern, wir können uns beherrschen oder unsere Trieblust mit aller Raffinesse hochschrauben, doch wir können unsere Triebe nicht wegerziehen. Die Triebe und Instinkte sind spontan und überlebenswichtig. Liegt keine Nahrung vor, wird sie aktiv aufgesucht. Man nennt dies Appetenzverhalten. Ist kein Sexualpartner vorhanden, wird er aktiv aufgesucht. Der Treib kann so stark werden, dass jede Anstrengung und jedes Risiko für die Befriedigung der Lust in Kauf genommen werden. Die Befriedigung des Triebes, zum Beispiel die Endhandlung Nahrungszufuhr, wird als Lust erlebt. Der Mensch ist von Natur aus aktiv. Er ist drauf programmiert, seine Trieb- und Aktionspotentiale einzusetzen. Nur so erreicht er natürlicherweise seinen Lohn, die intensive und vielfältige Lust der Triebbefriedigung, Mit seinem Grosshirn versucht heute der Mensch das Lustempfinden ohne Anstrengung zu erreichen. Diese Verwöhnung führt aber zu Zivilisationskrankheiten.
Der zweite Fehler – Arbeit als Übel – Freizeit als Lust:
Evolutionär gesehen bilden Anstrengung und Lust eine Einheit. Laufen und Jagen führen zum Nahrungserwerb. Der im Kampf errungene Sieg über einen Rivalen führt zu Rang, Bindung (Mitgliedschaft) und Anerkennung. Der Mensch hat jedoch schön früh damit begonnen die Anstrengung als Arbeit und notwendiges Übel von der Lust abzutrennen. Robert Geiss sagte 2019 in der RTL2 TV Sendung «Die Geissens» Folge V241 zu seiner Tochter Davina: «Wer die Arbeit kennt und sich nicht drückt, der ist verrückt.» Im gleichen Masse wie die Arbeit gemieden wird, wird aktiv Freizeit aufgesucht. Doch es besteht die allgemeine Gefahr, dass die in der Freizeit aufgesuchte Lust oberflächlich bleibt und letztendlich doch nicht befriedigt.

Die Lösung – Lust an Leistung
Es ist in unserer modernen, technischen und digitalisierten Wohlstandsgesellschaft gut möglich Anstrengung und Lust wieder organisch miteinander zu verbinden. Man wird sein eigener Integrationsmanager. Ein Bergsteiger, zum Beispiel empfindet das Klettern und den Marsch über den Gletscher als lustvoll, nicht erst das Erreichen des Gipfels. Dies gilt auch für die weiter oben bereits erwähnten Tätigkeiten. Die Tätigkeit für sich selbst ist Lust, weil sie einen Trieb befriedigt. Csikszentmihalyi nennt dies «Flow», aber er kann dafür keine Erklärung geben. Für den Verhaltensbiologe erweist sich das Flow-Erlebnis als die Lust des Neugier Triebes, wobei der Auslösereiz das Neue, das Unbekannte ist. Ist der Reiz nicht vorhanden, dann suchen wir ihn aktiv auf. Wenn wir das Neue gefunden haben, dann machen wir es uns bekannt, transformieren Unbekanntes in Bekanntes und damit Unsicherheit in Sicherheit. Aggression und Bindung bezeichnet Felix von Cube als weitere Triebmotive die Lust an Leistung verschaffen. Lust an Leistung ist also keine leere Formel, sondern ein Naturgesetz der Verhaltensbiologie. Die Lust an Leistung stellt sich ein, wenn Flow erlebt wird, Anerkennung und Bindung. Daraus folgen die Naturgesetze der Führung.

Naturgesetze der Führung
1. Das erste Naturgesetz der Führung beinhaltet die Arbeitsweilt. Diese ist so zu gestalten, dass die Mitarbeitenden permanent Flow erleben. Das bedingt neue Aufgaben und neue Herausforderungen die der individuellen Struktur der einzelnen Menschen angemessen sind. Man kann dies zum Beispiel durch erweiterte Verantwortung, Job-Rotation oder durch die Förderung interner Wechsel erreichen.
2. Das zweite Naturgesetz der Führung heisst Anerkennung für individuelle Leistung. Welche Formen der Anerkennung sind sinnvoll und bringen die Mitarbeitenden und die Sozietät weiter? Welche Anerkennungen sind gerecht? Anerkennung darf nicht dazu führen, dass zehn andere demotiviert werden, weil sie keine Anerkennung geniessen konnten.
3. Das dritte Naturgesetz der Führung besteht in der Herstellung von Bindung. Gemeinsames Handeln verstärkt Bindung, Bindung verbessert gemeinsames Handeln. Wie erzeugt man Gruppen-Flow? Wie funktioniert Anerkennung in der Gruppe? Wie erzeugt man Identifikation mit grösseren Sozietäten?
4. Beim vierten Naturgesetz geht es um die Führung der Gesamtsozietät, daher um die Optimierung des gemeinsamen Handelns. Als erstes ist die Gesamtfitness zu maximieren. Die Mitarbeiter sind entsprechend ihrer individuellen Leistungsfähigkeit einzusetzen. Je mehr Leistung der einzelne erbringt, um so höher wird die Gesamtfitness. Zum zweiten sind die sozietären Tugenden zu erfüllen: Gerechtigkeit, Zuverlässigkeit, Wahrhaftigkeit. Drittens muss dann auch gehandelt werden. Daher nicht nur verwalten, sondern Ziele setzen, Sinn geben, Chancen wahrnehmen, Wagnisse eingehen, Neues anpacken.
5. Das fünfte Naturgesetz der Führung heisst daher: Verantwortlich handeln. Daher nicht nur über Führungskulturen, Führungsstile und Führungsethik sprechen, sondern diese aktiv vorleben. Es geht um die soziale Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden, auch gegenüber Mitarbeitenden die älter sind und seit vielen Jahren loyal die Organisation unterstützen, es geht um die Verantwortung gegenüber der Umwelt, Staat und Gesellschaft und es geht um den respektvollen Umgang, unabhängig von Alter, Herkunft, Geschlecht und Religion. Verantwortung ist mehr als nur ein Naturgesetz. Verantwortung ist auch typisch für den reflektierenden Menschen. In der Verantwortung treffen sich der natürliche Instinkt und der denkende Verstand.

Das Buch «Lust an Leistung – Die Naturgesetze der Führung» von Prof. Dr. Felix von Cube wird von mir gerne und bestens empfohlen. Es wird ganz neue Erkenntnisse erschliessen und sowohl Sie als auch Ihre Organisation stärken.

Peter Kunz, swissICS

Related Blogs

  • Jan 1, 1970
    Verteilung der Schweizer Nettolöhne…

    Als Personalvermittler erlebe ich täglich Lohndiskussionen mit Arbeitssuchenden. Deshalb werden diese Informationen auf grosses Interesse stossen. Erste Resultate der BFS Lohnstrukturerhebung liegen seit Mai 2018 vor. Dies sind in der..

    0 weiterlesen
  • Sep 19, 2019
    Mut für neue Arbeitswelten

    Gemäss WIKIPEDIA [https://de.wikipedia.org/wiki/Mut] ist der Begriff Mut wie folgt erklärt: «Mut, auch Wagemut oder Beherztheit, bedeutet, dass man sich traut und fähig ist, etwas zu wagen, das heißt, sich beispielsweise..

    0 weiterlesen
  • Sep 19, 2018
    simple IoT demonstrator

    Im Jahr 2016 schaffte ich den Begriff "Cloud of Everything, CoE". Dabei war es das Ziel die Technologien einer global vernetzten Informationsgesellschaft und die dazugehörenden Begriffe wie [cs_quotes column_size="1/1" quote_cite="Peter Kunz,..

    0 weiterlesen
  • Jun 29, 2019
    Megatrends 2025

    Megatrends 2025 Inhalt 1. VUCA Welten 2. Technologie und Digitalisierung 2.1 Cloud of Everything – CoE als Basis für Everything as a Servcie – XaaS 2.2 Internet of Everything –..

    0 weiterlesen
  • Jun 11, 2019
    Elektronische Bewerbung – Tipps…

    Verwenden Sie PDF Dokumente für elektronische Bewerbungen Für elektronische Bewerbungen via Online-Portal oder E-Mail wird die Verwendung von PDF Dokumenten unbedingt empfohlen. Die Meta-Daten der Office-Dokumente sind nicht mehr einsehbar,..

    0 weiterlesen
  • Jan 1, 1970
    Vorstellungsgespräch in der Schweiz…

    Vorstellungsgespräch in der Schweiz – Wer zahlt die Spesen? Das Bundesgericht, das höchste Gericht der Schweiz, hat 2005 folgendes entschieden: Ein Bewerber muss mit dem potenziellen Arbeitgeber eine allfällige Reisentschädigung..

    0 weiterlesen
  • Apr 30, 2018
    „Inländervorrang light“ – Verordnung…

    "Inländervorrang Light" Wie entstand der Inländervorrang light? Volk und Stände der Schweizerischen Eidgenossenschaft haben am 9. Februar 2014 die Masseneinwanderungsinitiative mit 50,3% Ja Stimmen angenommen. Das Parlament setzte diese Initiative..

    0 weiterlesen
  • Jan 1, 1970
    Bewerbungsfoto – Ein Bild…

    Bewerbungsfoto - Ein Bild sagt mehr als 1'000 Worte Immer wieder wird die swissICS GmbH auf das Thema Bewerbungsfoto angesprochen. Offensichtlich beschäftigt dieses Thema Arbeitssuchende stark. Wenn man als Angler..

    0 weiterlesen
  • Jan 1, 1970
    Argumente für Mitarbeitende Ü50

    Das Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Aargau dokumentiert die Argumente für Mitarbeitende 50Plus (Ü50) "Die Qualifikation zählt, nicht das Alter" – mit diesem Slogan macht der Kanton Aargau..

    0 weiterlesen
  • Jan 1, 1970
    Löhne in der Schweiz

    Löhne in der Schweiz Gemäss dem Schweiz Recht wird der Lohn bei der Anstellung zwischen den Parteien, also zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, vereinbart. Viele Arbeitgeber orientieren sich an einem anerkannten..

    0 weiterlesen
  • Jan 1, 1970
    Referenz EMC (DELL EMC)

    EMC Computer Systems AG (DELL EMC) vertraute auf die Unterstützung der swissICS GmbH Dell EMC Computersystems AG ist führend, global und national Informationen sind neben den Mitarbeitern das wertvollste Kapital..

    0 weiterlesen
  • Jan 1, 1970
    Referenz Reto Meier

    Interview mit Herr Reto Meier Guten Tag Herr Meier. Sie gehören zu der Generation der über 40-jährigen und haben mehr als 20 Jahre Erfahrung in der ICT Branche, speziell als..

    0 weiterlesen
  • Jan 1, 1970
    Referenz Angelo Ramella

    Interview mit Herr Angelo Ramella Herr Ramella, es ist eine Freude Sie zu kennen. Sie haben mehr als 15 Jahre Fach- und Führungserfahrung in der IT. Mit unermüdlichem Lernen (3..

    0 weiterlesen
  • Jan 1, 1970
    Referenz Andy Mühlheim –…

    Interview mit Herr Andy Mühlheim Geschätzter Andy Mühlheim, es ist eine Freude und Bereicherung Dich zu kennen. Du hast mehr als 18 Jahre IT-Führungserfahrung in der Industrie und als CIO..

    0 weiterlesen
  • Jan 1, 1970
    Referenz Dobmann Consulting

    Mut – Das Wagnis eingehen Im Laufe des Jahres 2013 lernten Herr Beat Dobmann und ich einander kennen. Herr Dobmann ist ein erfahrener, unternehmerisch handelnder Ingenieur und Pioneer. Zum Jahresende,..

    0 weiterlesen
  • Jan 1, 1970
    Referenz BNC

    BNC Business Network Communications in Urtenen-Schönbühl macht sich fit für die Zukunft BNC steht für IT-Infrastrukturen und Data Center, welche kundenspezifisch und kostengerecht umgesetzt werden. Immer mit dem Ziel, dass..

    0 weiterlesen
  • Jan 1, 1970
    PDF-Archiv

    Einige unserer Dokumente im PDF-Format

    0 weiterlesen
  • Nov 23, 2017
    Wie bewerben

    Wie bewerben Sie sind eingeladen sich auf / zu und den Lebenslauf (CV) oder das Bewerbungsdossier geschützt hochzuladen oder die üblichen Bewerbungsunterlagen per Mail (Job-Portal tauglich) an die E-Mail-Adresse zu..

    0 weiterlesen
  • Nov 11, 2017
    Referenz: Philippe Leuenberger –…

    Interview mit Herr Philippe Leuenberger, Direct Touch Sales Executive der Mitel (Schweiz) AG Als erfahrener und sehr erfolgreich Account Manager und Verkaufsleiter entschieden Sie im Frühling 2017 sich nach einer..

    0 weiterlesen
  • Nov 6, 2017
    Referenz: Herr Marko Stojkovic…

    Interview mit Herr Marko Stojkovic, Bachelor in Informatik Guten Tag Herr Stojkovic. Sie haben die Berufslehre als Informatiker EFZ (Systemtechnik) erfolgreich abgeschlossen und an der Hochschule Luzern den Bachelor in..

    0 weiterlesen

Kommentar schreiben